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Paläoentomologie

Die Paläoentomologie ist die Lehre von den Versteinerungen ausgestorbener Insekten. Sie ist Teilgebiet der Paläozoologie, die sich mit allen ausgestorbenen Tieren befaßt.

Die Versteinerungen von Lebewesen werden als Fossilien bezeichnet.

Bisher sind über 20 000 fossile Insektenarten gefunden und beschrieben worden. Die ersten stammen aus dem unterem Devon (vor etwa 395 Mio. Jahren) und betreffen Springschwänze. Da diese selbst schon hoch entwickelt sind, muß es erste Insekten schon viel früher gegeben haben.

Ein bedeutender Fundort für Insekten-Fossilien ist der Ziegelei-Steinbruch von Hagen-Vorhalle (NRW). Dort wurden mehr als 150 Fossilien aus 5 Insektenordnungen gefunden, die im Karbon (vor etwa 350 Mio. Jahren) gelebt haben

Über die Fauna und Flora im Jura (vor etwa 150 Mio. Jahren) geben viele Funde im Plattenkalk von Solnhofen (Altmühlalb Bayern) Auskunft. Dieser Kalkstein wurde schichtweise gemeinsam mit damals lebenden Pflanzen und Tieren in einer Lagune abgelagert. Da der Salzgehalt über dem Boden sehr hoch war, trat keine Verwesung der eingeschlossenen Tiere oder Pflanzen ein. Die Tierleichen wurden wahrscheinlich von Mikrobenfilmen eingehüllt, die dann zu einer Biomineralisation führten, so dass die Tiere als Versteinerungen erhalten blieben. Am bekantesten sind die Funde des Archaeopteryx, des Stammvaters der Vögel, von denen gleich mehrere Exemplare im Solnhofer Plattenkalk gefunden wurden. Aber auch die Insekten sind unter den dort gefundenen Fossilien umfangreich vorhanden, wobei besonders viele Käfer- und Libellenarten gefunden wurden.

Das oberste Foto rechts zeigt als Beispiel ein Libellen-Fossil, den Abdruck der Libelle Urogomphus giganteus mit einer Flügelspannweite von etwa 20 cm. Das zweite Foto zeigt ein Fliegen-Fossil von Musca litographica, die ebenfalls im Jura gelebt hat.

  
Abdruck der Libelle Urogomphus giganteus im Solnhofer Plattenkalk


Abdruck der Fliege Musca lithographica im Solnhofer Plattenkalk


Sehr viele Insekten-Fossilien werden in Bernstein gefunden, von dem es weltweit etwa 100 Lagerstätten gibt. Bernstein ist versteinertes Harz, das von Bäumen stammt, die vor vielen Mio. Jahren gewachsen sind. Vor dem Festwerden des Harzes sind oftmals Tiere oder Pflanzenteile am Harz festgeklebt und vom Harz eingeschlossen worden. Dann sind sie gemeinsam mit dem Harz versteinert und geben uns heute Auskunft über die damalige Flora und Fauna. Einschlüsse in Bernstein nennt man Inklusen.

Da durch Harz nur kleine Tiere den Tod fanden, sind hier Insekten, insbesondere Mücken, Termiten, Langbeinfliegen und Ameisen, überproportinal vertreten. Solche Fossilien sind einzigartig in bezug auf Erhaltung von Feinstrukturen und deren Beobachtungsmöglichkeiten, wie das nebenstehende Foto zeigt. Oft ist Bernstein durchsichtig, aber selbst Fossilien in undurchsichtigem Bernstein können bei Durchstrahlung mit intensiven Synchotron-Röntgenstrahlen sichtbar gemacht werden.

Hochauflösende Computer-Tomographie-Geräte können 3-D-Bilder von Inklusen erstellen, die Auflösungen im Mikrometer-Bereich und darunter ermöglichen. Dabei wird der Bernstein nicht zerstört und die Bilder sind unabhängig von der Klarheit des Bernsteins und von eventuellen Rissen oder anderen Inklusen.

Der Libanon-Bernstein gilt als der älteste Bernstein, der Insekten-Inklusen aufweist. Er ist vor etwa 120 - 130 Mio. Jahren entstanden (Kreide-Zeit).

Erst vor kurzem wurden Insekten-Inklusen in Afrika (Äthopien) in Bernstein durch ein internationales Forscherteam entdeckt. Dieser Bernstein ist etwa 95 Mio. Jahre alt (Kreide-Zeit). Es wurden Inklusen von 13 Insektenfamilien gefunden, darunter auch das rechts abgebildete Insekt aus der Ordnung der Fransenflügler (Thysanoptera).

Besonders viele Insekten-Inklusen wurden im Baltischen Bernstein gefunden. Dieser Bernstein wird vor allem an der Ost- und Nordseeküste gefunden, kann aber auch in unterirdischen Lagerstätten auftreten. Dieser Bernstein hat ein Alter von 40 - 50 Mio. Jahren, d. h. er gibt Auskunft über die Insektenwelt des Eozäns. Als Beispiel wird rechts ein in Bernstein eingeschlossener Sumpfkäfer (Scirtidae) gezeigt, der 3,2 mm lang ist.

  
Bernstein mit Insekten-Inkluse - feinste Details können erkannt werden


Fransenflügler im äthopischen Bernstein


Sumpfkäfer im Baltischen Bernstein

Der Copal (oder auch Kopal) ist ein subfossiles Harz, das auch Inklusen enthalten kann. Sein Alter liegt zwischen 5 Millionen Jahren und etwa 10 000 Jahren. Oft werden dazu auch Harze gezählt, die erst einige Hundert Jahre alt sind. Copal ist meist heller als Bernstein und gut durchsichtig.

Als Beispiel wird rechts ein Copal aus Kolumbien gezeigt. Sein Alter ist leider nicht bekannt. Er enthält mehrere Insekten-Inklusen, u. a. verschiedene Mücken und einen Borkenkäfer.

  
Copal aus Kolumbien mit mehreren Inklusen
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